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Bauern werden bei der Digitalisierung nicht allein gelassen

Schorer: "Erzeugung und Verkauf von Lebensmitteln ist und bleibt ein attraktives Geschäft"

12.04.2018 | Ledermann
Sie bestritten diese sehr informative Versammlung der Hanns-Seidel-Stiftung (v.l.):  die Referenten Anton Dippold und Angelika Schorer sowie Moderator Theobald Abenstein.
Sie bestritten diese sehr informative Versammlung der Hanns-Seidel-Stiftung (v.l.): die Referenten Anton Dippold und Angelika Schorer sowie Moderator Theobald Abenstein.

 

Marktoberdorf/Lks. Ostallgäu

Um direkt die Menschen vor Ort anzusprechen und mit ihnen zu diskutieren, verlegt die Hanns Seidel Stiftung ihre Aktivitäten derzeit mehr in den ländlichen Raum, erläuterte Moderator Theobald Abenstein bei der Veranstaltung „Aktuelle bayerische Lokalpolitik“ im „Café-Hotel Greinwald (Marktoberdorf). Referenten waren die Ausschussvorsitzende für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, MdL Angelika Schorer und Leitender Ministerialrat und Leiter des Referats „Bayerische Agrarpolitik, Sonderaufgaben, Agrarstatistik und Wirtschaftsbeobachtung“ Anton Dippold im Bayerischen Landwirtschaftsministerium.

Schorer wies in ihrem Einführungsstatement darauf hin, dass die heftige Debatte um Glyphosat und den Einsatz von Neoncotinoiden wieder einmal gezeigt habe, dass sich das Umfeld für die Agrarwirtschaft verändert hat: „Die Bürgerinnen und Bürger verlangen immer stärker nachhaltige Erzeugermethoden, die die Umwelt und Natur sowie das Klima größtmöglich schützen und die Tierwohlaspekte bei der Produktion tierischer Lebensmittel bestmöglich berücksichtigen. Diesen Herausforderungen müssen wir uns stellen. Mir ist hierbei aber nicht bange, gibt es heute doch so vielfältige technologische Lösungsansätze, wie in keiner Zeit davor.“

Zumal sich aus dem gesteigerten Interesse der Bevölkerung an Lebensmittelerzeugung und -verarbeitung neue Chancen für Wertschöpfung und Beschäftigung. Wichtig ist, dass in diesem äußerst dynamischen Umfeld der Überblick bewahrt und möglichst alle bäuerlichen Betriebe mitgenommen werden. Dies gelingt nur mit einer leistungsfähigen angewandten Forschung, die sich eng mit der Praxis verzahnt, mit modernen Methoden des Wissenstransfers und einer neuen Innovationskultur. „Daher wird 2018 eine Innovationsstrategie für die bayerische Land- und Forstwirtschaft erarbeitet, die vor allem in ,Köpfe‘ und Know How investiert.“ Dabei ist wichtig die Verbraucher müssen frühzeitig mit an Bord geholt werden.

Ergänzend wies Schorer darauf hin: „Erzeugung, Verarbeitung und Verkauf von Lebensmitteln und Agrarrohstoffen ist und bleibt ein attraktives Geschäft, das wir uns von anderen Sparten und Playern nicht wegnehmen lassen dürfen.“ Neue Trends wie die online-Vermarktung von Lebensmitteln, die Erzeugung neuartiger Lebensmittel oder neue Erzeugungsmethoden rufen Starts-up‘s und neue Geldgeber auf den Plan. Diese Entwicklung muss zwar kritisch beobachtet werden und sich ergebende Chancen aber auch genutzt werden, so die Agrarausschussvorsitzende.

Dippold wies anhand von Schaubildern auf verschiedene Aspekte der politisch-gesellschaftlichen Herausforderungen hin, wie die Tatsache, dass immer weniger Fläche Nahrungsmittel für immer mehr Menschen produzieren soll. Hinzu kommen weitere natürliche Herausforderungen, wie die globale Erwärmung. Klar sprach er an, dass dies differenziert gesehen werden muss und die Landwirtschaft nicht der alleinige „Schwarze Peter“ zugeschoben darf. Er beklagte auch die Tatsache, dass fünf große Lebensmittelhändler sich das Gesamtvolumen aufteilen, das eine ökonomische Herausforderung darstellt.

Er streifte den Russland-Boykott und wies darauf hin, dass der offene Welthandel die deutschen hochwertigen Produkte groß gemacht haben. Bedauerlicherweise bestimmen sie in vielen Fällen die Spielregeln und beeinflussen die Entscheidungen der Verbraucher.

Weiter ging der Referent auf die finanziellen Folgen des Brexits ein. Wer gleicht die fehlenden EU-Zahlungen aus? Zumal viele Staaten kein Interesse daran haben.

Da Schorer in ihrem Referat auf die Digitalisierung der Landwirtschaft eingegangen ist, und dabei ausführte, dass dieser Bereich sowohl Herausforderung und Chance zugleich ist und das Ziel ist es, allen den Familienbetrieben die Teilhabe am digitalen Fortschritt zu ermöglichen und eine leistungsstarke Infrastruktur aufzubauen, hakte Dippold nach und wies darauf hin, dass diese neue Entwicklung nicht an den Betrieben vorbei gehen darf. Bei der „Landwirtschaft 4.0“ werden digitale Maschinen über die Felder ziehen, wie dies bereits auf Versuchsfeldern geschieht. Um auch auf diesem wichtigen Feld aktiv zu sein, habe das Landwirtschaftsministerium den Masterplan „Bayern Digital II“ mit der Offensive „Land und Forstwirtschaft 4.0“ gestartet. Kernelemente der Digitalisierungsstrategie des Staatsministeriums sind Forschung und Entwicklung einschließlich des Wissenstransfers in der Praxis. Wichtig sei es, dass die Daten der verschiedenen Herstellermaschinen untereinander korrespondieren, da ansonsten man kurz oder lang auf einen Hersteller fixiert ist.

Weiter sprach sich Dippold für den Erhalt der GAP-Struktur mit den zwei Säulen aus. Wichtig ist, dass die Ausweitung der Zuschläge auf die ersten Hektare zur Stützung kleinerer und mittlerer Betriebe durchgebracht werden konnte und er plädierte für eine Fokussierung der Direktzahlungen für „echte Landwirte“.

Weiter sprach sich Dippold für eine Angleichung der Direktzahlungen zwischen den Mitgliedsstaaten aus und der Ersatz von Greening und CC durch ein gemeinsames System sowie die Stärkung der Landwirte in der Lebensmittelkette.

Wichtig ist den „Münchnern“ die Unterstützung des Generationswechsels durch Förderung der Junglandwirte und Hilfen des betrieblichen Risikomanagements, zumal Marktschwankungen nicht geringer werden.

Im weiteren Verlauf seines Referats stellte Dippold auch die Positionen der Staatsregierung zur „Gemeinsamen Agrarpolitik“ (GAP) nach 2020 vor: So soll dieser Haushalt auf dem bisherigen Niveau erhalten werden. Weiter, unter anderem, keine Angleichung der Direktzahlungen zwischen den Mitgliedsstaaten, da deutliche Unterschiede in den Produktions- und Lebenshaltungskosten bestehen und einen Zuschlag für Dauergrünland und Flurstrukturen im Auge zu behalten. Eine Konzentration der Direktzahlungen auf reine Haupterwerbsbetriebe wäre inakzeptabel, zumal die EU-Kommission derzeit offenlässt, wie die Fokussierung auf „echte Landwirte“ bewerkstelligt werden soll.

Die Zielsetzung von Vereinfachungen und Bürokratieabbau wird begrüßt. Die Verlagerungen von Zuständigkeiten muss aber auch tatsächlich zu weniger Bürokratie und zu einer einfacheren Umsetzung führen. Weiter müssten die Erzeuger in der Wertschöpfungskette gestärkt werden und notwendig sind schnellwirkende, flexiblere Instrumente bei Agrarmarktkrisen. Notwendig sind auch Möglichkeiten zum Risikomanagement zu entwickeln. „Der von der Kommission geplante Ausbau betrieblichen Risikomanagement wird vor dem Hintergrund von Preisvolatilität sowie dem Klimawechsel für eine stabile Entwicklung der Landwirtschaft begrüßt. Die Pflicht des Unternehmens zur Eigenvorsorge bleibt aber bestehen,“ so der Referent.

Interessant waren seine Ausführungen über die Eckpunkte der viel diskutierten Berliner Koalitionsvereinbarungen im Abschnitt „Finanzen und Steuern.“ Über die in der Finanzplanung des Bundes von 2018 bis 2021 vorgesehenen Ausgaben in Höhe von 1.392 Billionen Euro hinaus, sind weitere Ausgaben in Höhe von 46 Milliarden Euro vorgesehen. Unter anderem im Bereich „Ländliche Räume“ und „Landwirtschaft plus“ von 1,5 Milliarden Euro im Zeitplan 2018 bis 2021. Die Länder entscheiden welche Maßnahme sie auswählen. Ziel ist eine nachhaltige flächendeckende Landwirtschaft sowohl ökologisch als auch konventionell.

Gern werden dies die Betreiber von Futtertrocknungsanlagen hören: Der Staat sieht die Weiterentwicklung der Eiweißpflanzenstrategie zur Steigerung der Attraktivität des Anbaus von Eiweißpflanzen!

Anton Dippold ging weiter auf die Aussagen im Abschnitt „Umwelt und Klima“ der Koalitionsvereinbarung ein. So sollen die Potenziale der Landwirtschaft für Klimaschutz und Biodiversität genutzt werden. Der Schutz der biologischen Vielfalt als Querschnittsaufgaben-Verankerung und entsprechende Bundesprogramme sollen weiter gestärkt werden.

Rege verlief die anschließende Diskussion. Hier wurde der Vorwurf laut, dass sich die Landwirtschaft in der Öffentlichkeit schlecht „verkauft“. Auch müsste die Vielfältigkeit der Landwirtschaft besser hervorgehoben werden. Ein Bauer monierte, dass bereits in der landwirtschaftlichen Ausbildung mehr darauf geachtet werden soll, dass die Jungbauern verstärkt mit der Öffentlichkeit sachlich kommunizieren können. Gut sei jeder Bauernhof, der für die Bevölkerung offensteht. Dies konterte Schorer mit dem Hinweis, dass gerade im Ostallgäu viele Betriebe bereit sind bei Tagen der offenen Stalltür mitzumachen. Moderator Abenstein lobte in diesem Zusammenhang die Bäuerinnen die sehr viel gute Öffentlichkeitsarbeit machen. Dippold wies darauf hin, dass „Vater Staat“ laufend mit viel Geld dies unterstützt. Ein weiterer Diskussionsteilnehmer meinte, man könne bezüglich der Vermarktung vom Ökolandbau lernen, der viel Aufklärung betreibt. Da auch der Bereich „Nebenverdienste“ angesprochen wurde, erläuterte Dippold, dass niemand den Bauernfamilien weitere Lasten aufbürden will. Aber sehr oft besteht die Möglichkeit für einen Hofladen oder Ferien auf dem Bauernhof. Sein Haus habe eine Liste mit rund 170 verschiedenen Nebeneinkommens-Möglichkeiten aufgelegt. Hier könnten Interesse viele Ratschläge erhalten. Ein weiterer Weg der Öffentlichkeitsinformation seien die neuen Medien wie Facebook und Co. Da auch die Schulverpflegung für Kinder angesprochen wurde, erläutere Dippold, dass Bayern wie kein anderes Bundesland viel Geld für derartige Schulprogramme investiert und auch die Landfrauen im Bereich „gesunde Ernährung“ gut unterstützt werden. Zur Öffentlichkeitsarbeit führte er aus, dass inzwischen viele Kontakte zwischen den Umweltverbänden und seinem Haus bestehen, um konstruktiv zusammenzuarbeiten. In ihrem Schlusswort dankte Schorer für die rege Diskussion und wies darauf hin, dass die Anregungen und Ideen der Diskussionsteilnehmer mit nach München genommen werden. Auch bat sie die Bäuerinnen und Bauern den Diskussionen zu stellen und positives weitertragen.

Angelika Schorer, MdL

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